Hilal Iscakar Hilal Iscakar

Neurodivergenz im Beruf und ja, ich lächle dabei ein bisschen

Ich schreibe diesen Text nicht, weil Neurodivergenz gerade Mode ist.
Ich schreibe ihn, weil sie mir täglich begegnet.
In Teams. In Meetings. In Pausen.
Und – Überraschung – auch ziemlich zuverlässig in mir selbst.

Neurodivergenz heisst: Gehirne arbeiten unterschiedlich.
ADHS, Autismus, hohe Sensibilität, Reizoffenheit, eigenes Tempo, eigene Filter.
Nicht kaputt. Nicht „zu viel“.
Einfach anders eingestellt: wie ein Betriebssystem, das nicht auf Autopilot läuft.

Und im Berufsalltag sorgt das manchmal für Reibung.
Und manchmal für richtig gute Ideen.

Ich kenne das Thema von innen und von aussen

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Menschen, Teams und Organisationen.
Und nein, Neurodivergenz ist für mich kein theoretisches Konstrukt.

Ich kenne sie persönlich.

Schneller Kopf. Viele Gedanken gleichzeitig.
Feines Gespür für Stimmungen, Dynamiken, Ungesagtes.
Hohe Intensität im Denken, im Fühlen, im Arbeiten.

Das ist grossartig, wenn der Rahmen stimmt.
Und ziemlich anstrengend, wenn er es nicht tut.

Beides darf wahr sein.

Arbeitswelten sind oft… sagen wir: sehr optimistisch

Optimistisch im Sinne von:
Alle können alles. Immer. Gleichzeitig.
Meetings helfen bestimmt.
Pausen später. Fokus irgendwann.

Wer da anders tickt, lernt schnell:
mitziehen,
nicht zu viel fragen,
funktionieren.

Von aussen wirkt das souverän.
Innen fühlt es sich eher nach Dauer-Feintuning an.

Und ja… das kostet Energie.
Auch bei sehr kompetenten Menschen.

Und trotzdem: Hier liegt viel Gutes verborgen

Neurodivergente Menschen bringen Dinge mit, die man nicht bestellen kann:

  • ungewöhnliche Lösungswege

  • ehrliche Klarheit

  • Tiefe statt Smalltalk

  • Kreativität, die nicht immer pünktlich, aber oft treffsicher ist

Das kann irritieren.
Oder Teams richtig bereichern.

Der Unterschied liegt selten in der Person.
Meist im Umgang miteinander.

Manchmal hilft Offenheit. Manchmal reicht Klarheit.

Ein ehrlicher Satz wie
„So wie es gerade läuft, ist es für mich gerade viel“
kann mehr klären als drei Feedbackrunden.

Aber: Niemand muss sich erklären.
Und niemand schuldet ein persönliches Outing.

Gleichzeitig dürfen neurotypische Kolleg:innen nicht alles auffangen.
Empathie ist kein Dauerjob.

Gute Zusammenarbeit braucht beides:
ein bisschen Mitgefühl
und ein bisschen Ordnung.

Oder anders gesagt:
Herz und Struktur.

Verständnis funktioniert nur in beide Richtungen

Es geht nicht um „die Sensiblen“ und „die Belastbaren“.
Diese Einteilung ist zwar bequem, aber wenig hilfreich.

Hilfreicher sind Fragen wie:

  • Wie arbeitest du gut?

  • Was hilft dir, den Überblick zu behalten?

  • Wo brauchst du Struktur, wo Freiheit?

Wenn Teams das offen klären dürfen,
wird Arbeit oft entspannter.
Und überraschend oft auch motivierender.

Zusammenarbeit darf leichter werden

Empathie heisst nicht, alles gut zu finden.
Sondern erst mal zuzuhören.

Klarheit heisst nicht, streng zu sein.
Sondern Orientierung zu geben.

Wenn beides zusammenkommt,
entstehen Arbeitsprozesse, die tragen.
Workflows, die nicht nur effizient, sondern auch menschlich sind.
Und Teams, die Unterschiedlichkeit nicht managen,
sondern mit ihr arbeiten.

Was ich in Coachings und Supervisionen einbringe

Genau diesen Blick bringe ich in meine Arbeit ein.

Ich kläre auf, wenn es hilfreich ist.
Ich sortiere, wo es unübersichtlich wird.
Ich bringe Struktur hinein ohne den Menschen zu verlieren.

Mit Methoden, die entlasten.
Mit Gesprächen, die ehrlich sind.
Und mit einer Haltung, die sagt:
Es muss nicht perfekt sein. Nur stimmig.

Mein Fazit

Neurodivergenz braucht kein Drama.
Und keine Held:innen.

Sie braucht Verständnis.
Klarheit.
Und ein bisschen Humor im Umgang miteinander.

Ich begleite Menschen und Teams dabei,
genau diese Mischung zu finden.

Pragmatisch. Menschlich.
Und mit einem Augenzwinkern dort,
wo Arbeit sonst schnell zu ernst wird.

Wenn Sie beim Lesen dachten:
„Ja, genau so fühlt sich unser Arbeitsalltag manchmal an“,
dann lohnt sich vielleicht ein gemeinsamer Blick darauf.

In Coachings und Supervisionen bringe ich neurodivergente und neurotypische Perspektiven zusammen,
schaffe Orientierung, kläre Missverständnisse
und unterstütze mit Methoden, die Zusammenarbeit spürbar erleichtern.

Ohne Drama.
Mit Klarheit.
Und mit dem Ziel, dass Arbeit wieder mehr Energie gibt als Kaffee braucht.

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